Natura 2000-Verträglichkeitsprüfung

Arbeitsbereich Natura 2000-Verträglichkeitsprüfung

Die Vorschriften zum Schutz des europäischen ökologischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ stellen eine besondere Hürde im Rahmen der Planung und Zulassung von Vorhaben dar. § 34 BNatSchG formuliert strenge Schutzanforderungen für Pläne oder Vorhaben, die geeignet sind, ein FFH- oder Vogelschutzgebiet erheblich zu beeinträchtigen.

Für ein Vorhaben, das innerhalb oder in der Nähe eines FFH- oder Vogelschutzgebietes durchgeführt werden soll, ist zwingend eine Natura 2000-Vorprüfung und ggf. eine Natura 2000-Verträglichkeitsprüfung durchzuführen. Die europäischen und deutschen Gerichte stellen besondere Anforderungen an diese Prüfungen und verlangen die Berücksichtigung des besten wissenschaftlichen Kenntnisstandes. Lassen sich erhebliche Beeinträchtigungen eines FFH- oder Vogelschutzgebietes durch ein geplantes Vorhaben im Rahmen einer Verträglichkeitsprüfung nicht sicher ausschließen, ist eine Zulassung des Vorhabens nur im Wege einer speziellen Ausnahmeprüfung möglich. Bei einer solchen Ausnahmeprüfung ist zu prüfen, ob das Vorhaben alternativlos ist, zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses für das Vorhaben sprechen und geeignete Kohärenzmaßnahmen ergriffen werden können.

Ihre Ansprechpartnerin:
Dr. Katrin Wulfert
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Unsere Leistungen und Kompetenzen

Das Team der Bosch & Partner GmbH beschäftigt sich bereits seit dem Erlass der FFH-Richtlinie intensiv mit den Aufgaben und Anforderungen von „Natura 2000“. Unser Erfahrungsschatz umfasst

  • die Natura 2000-Vorprüfung und Natura 2000-Verträglichkeitsprüfung,
  • die Alternativenprüfung und das Erarbeiten der geforderten Unterlagen für die Zulassung des Vorhabens unter Ausnahmebedingungen,
  • das Abstimmen und Optimieren der Arbeiten für höchstmögliche Planungssicherheit,
  • die Verfahrensbegleitung,
  • das Erarbeiten von Arbeitshilfen.

Zur Ergänzung unserer eigenen Kompetenzen pflegen wir ein Netzwerk von Partnerunternehmen und Spezialisten, die nach Bedarf ihr Wissen einbringen. Dies betrifft zunächst das faunistische, standort- und vegetationskundliche Spezialwissen. Die Erfassungsarbeiten vor Ort sind häufig die Grundlage für die Formulierung und Konkretisierung der Erhaltungsziele, die wir mit der zuständigen Naturschutzbehörde abstimmen. Managementpläne, die den günstigen Erhaltungszustand der jeweiligen Lebensraumtypen und Arten nachhaltig sichern bzw. wiederherstellen, bauen hierauf auf.

Besonderer Ermittlungsaufwand kann sich bei der Betroffenheit von FFH-Gebieten durch Luftschadstoffimmissionen ergeben. Zu diesem Thema pflegen wir engen Kontakt zu Spezialisten für Ausbreitungs- und Depositionsberechnungen sowie – im Falle von eutrophierendem Stickstoffeintrag – zu Spezialisten für die Bestimmung sogenannter Critical Loads. 

Grundsätzlich bieten wir auch die enge Verknüpfung mit den aktuellen Erfordernissen des Verfahrensrechts. Die Rechts- und Verfahrenssicherheit der Planung gewährleisten unsere Juristen im Netzwerk. Eine kompetente Beratung erweist sich insbesondere aufgrund der derzeitigen dynamischen Entwicklung der Rechts- und Methodikgrundlagen als wichtiger Bestandteil der Verfahrensbegleitung und trägt damit entscheidend zur Rechtssicherheit Ihres Vorhabens bei.

Projektbeispiele zu Natura 2000-Verträglichkeitsprüfung

Die Bosch & Partner GmbH führt seit vielen Jahren unzählige Natura 2000-Vorprüfungen, -Verträglichkeitsprüfungen und -Ausnahmeverfahren durch. Hinzu kommen Aktivitäten im Bereich der Methodenentwicklung wie etwa zum Thema Stickstoffeintrag und Critical Loads.

FFH-Verträglichkeitsprüfungen für Grundwasserentnahmen im Hessischen Ried

Das Hessische Ried ist das Grundwasserversorgungsgebiet für den Ballungsraum Rhein-Main. In zahlreichen Wasserwerken wird bereits seit den 60er Jahren Grundwasser gefördert, so dass der Grundwasserspiegel bereits seit Jahrzehnten abgesenkt ist. Aktuell steht die Verlängerung diverser Wasserrechte für die Grundwasserentnahmen mehrerer Wasserversorger an, bei der auch die Betroffenheit der im Hessischen Ried mittlerweile ausgewiesenen FFH- und Vogelschutzgebiete zu prüfen ist. 

FFH-Vorprüfung zum Bau einer Ersatzstoffverbrennungsanlage im Industriepark Höchst

Auf dem Industriepark Höchst wurde eine Ersatzstoffverbrennungsanlage realisiert, deren Immissionen auch auf benachbarte FFH-Gebiete einwirken. Eine vertiefte FFH-Vorprüfung hat die Aufgabe, im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens nachzuweisen, dass die seitens der Genehmigungsbehörde getroffenen Beurteilungen zur Relevanz von eutrophierenden Stickstoffeinträgen auch unter Berücksichtigung des aktuellen Kenntnisstandes Bestand haben.

Publikationen

Wulfert, K., Kiel, E.-F., Lüttmann, J., Klussmann, M., Vaut, L. (2017)

Berücksichtigung charakteristischer Arten in der FFH-Verträglichkeitsprüfung. Operationalisierung im Bundesland NRW. Naturschutz und Landschaftsplanung 49(12), S. 373-381.

Bick, U., Wulfert, K. (2017)

Aktuelle Rechtsprechung im Gebiets- und Artenschutzrecht. DNT-Journal 2017: S. 165-180.
>>Journal zum download (pdf)

Wulfert, K. (2017)

Möglichkeiten und Grenzen von Schadensbegrenzungsmaßnahmen in der gebietsschutzrechtlichen Prüfung. ANLiegen Natur 39(1): S. 72-75.
>>Zeitschrift zum download

Wulfert, K. (2016)

Schadensbegrenzungs- und Kohärenzmaßnahmen in der gebietsschutzrechtlichen Prüfung. Natur und Recht 38: S. 662-669.

Wulfert, K., Lau, M.,Widdig, T., Müller-Pfannenstiel, K., Mengel, A. (2015)

Standardisierungspotenzial im Bereich der arten- und gebietsschutzrechtlichen Prüfung, FuE-Vorhaben im Rahmen des Umweltforschungsplanes des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz; FKZ 3512 82 2100, Herne, Leipzig, Marburg, Kassel.

Balla, S., Bernotat, D., Frommer, J., Garniel, A., Geupel, M., Hebbinghaus, H., Lorentz, H., Schlutow, A. und Uhl, R. (in press)

Stickstoffeinträge in der FFH-Verträglichkeitsprüfung: Critical Loads, Bagatellschwelle und Abschneidekriterium. In: Waldökologie, Landschaftsforschung und Naturschutz (WLN). Online-preview HIER.

Balla, S., Lorentz, H., Uhl, R. und Schlutow, A. (2013)

Beurteilung von Stickstoffeinträgen in der FFH-Verträglichkeitsprüfung anhand von Critical Loads. Zeitschrift für Immissionsschutzrecht und Emissionshandel (I+E), Heft 5/2013, S. 203-215.

Uhl, R., Lüttmann, J., Balla, S., Müller-Pfannenstiel, K. (2011)

Assessing impacts of nitrogen emissions on Natura 2000 sites in Germany 44. In: Hicks, W.K., C.P. Whitfield, W.J. Bealey, M.A. Sutton (HRSG., 2011): Nitrogen Deposition and Natura 2000. Science & practice in determining environmental impacts. = Book of Proceedings of the COST729 Mid-term workshop, Stand April 2011
Mehr Infos

Balla, S., Müller-Pfannenstiel, K., Lüttmann, J., Uhl, R. Schlutow, A. (2010)

Critical Loads als geeigneter Maßstab für die FFH-Verträglichkeitsprüfung. Naturschutz und Landschaftsplanung, H. 12/2010, 367-371

Balla, S., Müller-Pfannenstiel, K., Lüttmann, J., Uhl, R. (2010)

Eutrophierende Stickstoffeinträge als aktuelles Problem der FFH-Verträglichkeitsprüfung. Natur und Recht 09/2010, 616-625

Ebert, J., Müller-Pfannenstiel, K. (2008)

Umsetzung von mit Hirschkäfer-Larven besetzten Baumwurzeln. Eine Maßnahme zur Schadensbegrenzung für eine FFH-Art.
In: Naturschutz und Landschaftsplanung Heft 4/2008

Lambrecht, H., Peters, W., Köppel, J., Beckmann, M., Weingarten, E., Wende, W. (2007)

Bestimmung des Verhältnisses von Eingriffsregelung, FFH-VP, UVP und SUP im Vorhabensbereich.  [unter Mitw. von A. Hoppenstedt], BfN-Skript 216, Bonn.

Balla, S. (2005)

Grundlagen zur Beurteilung von NOX-Immissionen entlang von Straßen im Rahmen von UVP, Eingriffsregelung und FFH-VP.
In: Naturschutz und Landschaftsplanung 37, 169-178.

Vorträge

Katrin Wulfert

„Verschlechterungsverbot nach Art. 6 Abs. 2 FFH-Richtlinie“, In-House Schulung beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt am 27.10.2016 in Halle.
>>Vortrag zum download (pdf)

Katrin Wulfert und Ulrike Bick

„Aktuelle Rechtsprechung im Gebiets- und Artenschutzrecht“, Deutscher Naturschutztag in Magdeburg am 15.09.2016.

Jörg Borkenhagen

„FFH-Verträglichkeitsprüfung im Rahmen von immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren bei Zementwerken“ bei dem Weiterbildungsseminar U-FIB „Fortbildungslehrgang für Immissionsschutzbeauftragte“ am 16. Februar 2016 im Forschungsinstitut der Zementindustrie, Düsseldorf.

Stefan Balla

„Beurteilung von Nährstoffeinträgen in empfindliche Biotope - Ergebnisse BASt-Bericht“ bei der 10. Informationsveranstaltung "Umweltverträgliche Landwirtschaft" am 11.04.2014 in Berlin.

Stefan Balla

„Das naturschutzrechtliche Prüfprogramm in der Planungspraxis“ beim 19. Umweltrechtlichen Symposium „Aktuelle Entwicklungen im Naturschutzrecht“ am 10.04.2014 in Leipzig

Stefan Balla

Beurteilung von Stickstoffeinträgen in der FFH-Verträglichkeitsprüfung für Straßenbauvorhaben
4. Freiburger Workshop „Luftreinhaltung und Modelle“ der IVU Umwelt GmbH Datum: 15./16.05.2012, Freiburg

Stefan Balla

Umgang mit Stickstoffeinträgen in der Natura 2000-Verträglichkeitsprüfung für Straßenbauvorhaben
Umweltbelastungen durch Stoffeinträge, 29.06.2011, Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Höxter

Stefan Balla

Umgang mit Critical Loads in der Straßenplanung
Landschaftstagung 2011 der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV), 19.05.2011, Halle/Saale

Stefan Balla

Beeinträchtigungen von FFH-Gebieten durch Stickstoffdepositionen („Critical Loads“) – Forschungsergebnisse und aktuelle Praxis
UVP-Tagung der Vereinigung der Straßen- und Verkehrsingenieure (VSVI) Niedersachsen, 10.02.2011, Hildesheim

Dr. Stefan Balla     

Aktuelle Naturschutzfragen in Genehmigungsverfahren – Eingriffsregelung, FFH-Verträglichkeitsprüfung und Artenschutz
Aktuelle Fragestellungen im Immissionsschutzrecht des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, 19./20.05.2010, Duisburg

Stefan Balla

Critical Loads in der Planungspraxis unter besonderer Berücksichtigung der FFH-Verträglichkeit
HVNL/HSVV-Herbsttagung 2009: Sind Irrelevanzschwellen und die allgemeinen Critical Loads Lösungsansätze zur Bestimmung der FFH-Erheblichkeit bei Stickstoffeinträgen? und Rechtliche Anforderungen an den Habitat- und Artenschutz, 30.10.2009, Rotenburg / Fulda